
Hamburger Wärmeplan per Adresse prüfen.Wärmenetz, Wärmepumpe oder Quartierslösung, und was davon verbindlich ist.
Seit dem 16. Juni 2026 hat Hamburg einen beschlossenen Wärmeplan. Er sagt für jede Adresse, welche Wärmeversorgung die Stadt dort für wahrscheinlich hält. Er verpflichtet niemanden, aber er steht in jedem Preisgespräch. So lesen Sie ihn für Ihr Haus.
Stand 2. September 2026 · Lesezeit 9 Min.
Für Eigentümer eines Hauses oder einer Wohnung in Hamburg, die vor einem Heizungstausch, einem Verkauf oder einer Übertragung wissen wollen, was der Wärmeplan für ihre Adresse vorsieht und welche Pflichten daran hängen, und welche nicht.
Sieben Schritte von der Adresse zur Entscheidung
- 01
Das Wärmeportal öffnen und die Adresse eingeben
Die Karten des Wärmeplans liegen im Wärmeportal Hamburg im Geoportal der Stadt. In der Zielszenario-Karte geben Sie Ihre Adresse ein und sehen, welche Wärmeversorgung die Stadt für das Gebiet aus technischer und wirtschaftlicher Sicht für am besten geeignet hält. Daneben gibt es die Wärmenetzeignungskarte und die Wärmepumpenpotenzialkarte.
- Kosten und Dauer
- Kostenfrei, fünf Minuten. Adresse: geoportal-hamburg.de/waermeportal-hamburg.
- Was schiefgeht
- Die Karte wird als Bescheid gelesen. Sie ist ein Fachplan, kein Verwaltungsakt.
- 02
Den Gebietstyp lesen
Das Zielszenario unterscheidet Gebiete für Wärmenetze, mit Ausbau oder Verdichtung bestehender Netze, Gebiete mit hohem Potenzial für Wärmepumpen, und nachbarschaftliche Wärmelösungen für Quartiere. In dezentralen Gebieten wird jedes Gebäude mit hoher Wahrscheinlichkeit auch künftig selbst versorgt, etwa mit einer Wärmepumpe. Im Zielbild 2040 sollen Wärmenetze 56 Prozent des Wärmebedarfs decken.
- Kosten und Dauer
- Teil des Portals.
- Was schiefgeht
- Ein Wärmenetzgebiet wird als Zusage gelesen, dass eine Leitung kommt. Es ist eine Eignung, kein Bauprogramm mit Datum.
- 03
Die Verbindlichkeit einordnen
Der Wärmeplan ist rechtlich unverbindlich und dient der Orientierung; das sagt die Stadt selbst. Das Wärmeplanungsgesetz des Bundes verlangte den Plan von Großstädten bis Mitte 2026, es sieht keinen Anschlusszwang vor (§ 18 Absatz 2 WPG). Grundlage für Investitionen der Netzbetreiber ist er trotzdem, und für Käufer ist er die Landkarte, nach der sie den Umstieg einpreisen.
- Kosten und Dauer
- Keine.
- Was schiefgeht
- Es wird mit einer Anschlusspflicht gerechnet oder gedroht. Beides steht nicht im Gesetz.
- 04
Die Bestandsheizung: darf weiterlaufen
Eine funktionierende Heizung darf betrieben und repariert werden, unabhängig vom Gebietstyp. Das frühere Betriebsverbot für Konstanttemperaturkessel nach 30 Jahren (§ 72 GEG) hat das Gebäudemodernisierungsgesetz am 29. Juli 2026 gestrichen. Pflichten entstehen erst, wenn eine neue Heizung eingebaut wird.
- Kosten und Dauer
- Keine.
- Was schiefgeht
- Der Kessel wird aus Angst vor einer Frist ersetzt, die es nicht mehr gibt.
- 05
Die neue Heizung: was seit Juli 2026 gilt
Die 65-Prozent-Vorgabe des Bundes ist mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz entfallen; über die Heizungsart entscheidet der Eigentümer. Wer neu Gas oder Öl einbaut, muss ab 2029 einen steigenden Anteil klimaneutraler Brennstoffe nutzen, zehn Prozent ab 2029 bis sechzig Prozent ab 2040 (§ 43 GModG). Hamburg verlangt nach Landesrecht beim Heizungstausch fünfzehn Prozent erneuerbare Wärme, mit individuellem Sanierungsfahrplan 12,5 Prozent. Beides gilt unabhängig davon, was der Wärmeplan für die Adresse vorsieht.
- Kosten und Dauer
- Je nach Anlage. Der Sanierungsfahrplan ist gefördert und senkt die Landesvorgabe.
- Was schiefgeht
- Die Bundesregel wird geprüft, die Hamburger Landesvorgabe übersehen.
- 06
Im Wärmenetzgebiet: den Betreiber fragen
Liegt die Adresse in einem Wärmenetzgebiet, ist die nächste Frage, ob und wann das Netz die Straße erreicht. Das steht nicht im Wärmeplan, sondern beim Netzbetreiber; die Stadt hat mit den Betreibern Kooperationsvereinbarungen geschlossen. Ein Anschluss ist eine Option, keine Pflicht, und für den Preis eines Hauses ist er ein Argument, sobald er terminiert ist.
- Kosten und Dauer
- Eine Anfrage, kostenfrei; Anschlusskosten nach Angebot des Betreibers.
- Was schiefgeht
- Das Exposé verspricht Fernwärme, die Straße hat keinen Termin.
- 07
Für Verkauf und Übertragung dokumentieren
Der Ausdruck aus dem Wärmeportal, das Alter der Heizung mit Typenschild, die Schornsteinfegerprotokolle und die Wartungsbelege gehören in die Unterlagen. Käufer lesen die Heizung als Kostenposition: Eine alte Anlage wird mit dem absehbaren Umstieg eingepreist, eine Adresse im Wärmenetzgebiet kann den Umstieg verbilligen. Für die Bewertung zählt beides, der Zustand der Anlage und die Lage im Wärmeplan.
- Kosten und Dauer
- Eine Stunde Ordnerarbeit.
- Was schiefgeht
- Das Heizungsalter kommt bei der Besichtigung als Frage, nicht als Antwort.
- Ausdruck oder Screenshot des Zielszenarios aus dem Wärmeportal für Ihre Adresse
- Baujahr und Typ der Heizung (Typenschild, Rechnung)
- Schornsteinfegerprotokolle der letzten Jahre
- Wartungsbelege und Reparaturen
- Energieausweis, bei Verkauf mit Pflichtangaben
- Falls vorhanden: individueller Sanierungsfahrplan
- 1
Eine Anschlusspflicht annehmen
Weder Bundesrecht noch der Hamburger Plan kennen einen Anschlusszwang. Wer damit rechnet, verschenkt Verhandlungsspielraum; wer damit droht, sagt etwas Falsches.
- 2
Die Heizung aus Angst tauschen
Bestandsheizungen dürfen weiterlaufen, das Betriebsverbot alter Kessel ist gestrichen. Getauscht wird, wenn es wirtschaftlich ist oder die Anlage es verlangt, nicht wegen eines Datums.
- 3
Den Wärmeplan mit dem Bebauungsplan verwechseln
Der Bebauungsplan ist Recht, der Wärmeplan ist ein Fachplan. Ob Sie bauen dürfen, steht im einen; wie die Stadt heizen will, im anderen.
Die Zahlen hinter dem Wärmeplan
| Was | Wert | Einordnung |
|---|---|---|
| Senatsbeschluss | 16.06.2026 | Hamburger Wärmeplan, Zielbild einer klimaneutralen Wärmeversorgung bis 2040, rechtlich unverbindlich. |
| Wärmenetze im Zielbild 2040 | 56 % | Anteil am Wärmebedarf der Stadt. |
| Erneuerbare Wärme beim Heizungstausch, Hamburg | 15 % / 12,5 % | Landesrecht; der niedrigere Wert mit individuellem Sanierungsfahrplan. |
| Bundesvorgabe 65 Prozent | entfallen | Gestrichen mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz, in Kraft seit 29. Juli 2026. |
| Neue Gas- oder Ölheizung | 10 % ab 2029 bis 60 % ab 2040 | Anteil klimaneutraler Brennstoffe, § 43 GModG. |
| Frist des Bundes für Großstädte | 30.06.2026 | § 4 Wärmeplanungsgesetz; kein Anschlusszwang nach § 18 Absatz 2 WPG. |
Quellen: Freie und Hansestadt Hamburg, BUKEA: Senat beschließt Hamburger Wärmeplan (16.06.2026), Kommunale Wärmeplanung und Wärmeportal Hamburg; Wärmeplanungsgesetz (WPG) §§ 4, 18; Gebäudemodernisierungsgesetz (BGBl 2026 I Nr. 226), Drucksache 21/6278; BUKEA: In Hamburg sind erneuerbare Energien Pflicht. Datenstand 02.09.2026.
Was Eigentümer dazu fragen
Verpflichtet mich der Wärmeplan zum Heizungstausch?
- Nein. Der Plan zeigt, wo Wärmenetze entstehen sollen; eine funktionierende Heizung darf weiterlaufen und repariert werden. Pflichten entstehen erst beim Einbau einer neuen Heizung, und auch dann ohne Anschlusszwang.
Was bedeutet Wärmenetzgebiet für den Verkauf?
- Ein Argument, sobald der Betreiber einen Termin nennt. Ohne Termin ist es eine Eignung, die ein Käufer als Möglichkeit liest, nicht als Wert.
Gilt der Plan für immer?
- Er wird fortgeschrieben; das Wärmeplanungsgesetz sieht die Überprüfung vor. Für die nächsten Jahre ist der Beschluss vom 16. Juni 2026 der Stand.
Was zu diesem Thema im Bestand steht
Fragen mit direkter Antwort
Insights
- Der Wärmeplan verpflichtet niemanden. Und verändert trotzdem jedes Preisgespräch
- Das Ende der 65-Prozent-Pflicht. Was das neue Heizungsrecht für Alsterlagen-Eigentümer ändert
- Die schärfste Hamburger Pflicht hängt nicht am Verkauf. Sie hängt am Dach
- Verbrauch oder Bedarf. Vom Januar an entscheidet der Eigentümer, welche Zahl im Energieausweis steht
- Energetischer Zustand als Preisfaktor: 8-15% Abschlag messbar
Der Plan steht für Ihre Adresse.Was er für Ihren Preis bedeutet, klären wir persönlich.
Sie sprechen direktmit dem, der bewertet.
Ich bin Matthias Schwier, Immobilienmakler in Hamburg und als selbstständiger Immobilienberater für die Deutsche Bank Immobilien in den Wohnlagen der Stadt unterwegs.
Den Wärmeplan lese ich für jede Bewertung mit, weil Käufer es tun. Die Anlagenentscheidung selbst gehört zum Energieberater und Fachbetrieb; was sie für den Wert Ihres Hauses bedeutet, ordne ich ein.

Matthias Schwier
Selbstständiger Immobilienberater · Deutsche Bank Immobilien GmbH