Illustration: Hamburger Gründerzeitfassade an der Alster, über die der Schatten eines Paragrafenzeichens fällt
Hamburg

Oberbillwerder steht still. Für Ihren Quadratmeterpreis ist das die kleinere Nachricht

Hamburgs größtes Wohnungsbauprojekt sollte bis zu 7.000 Wohnungen bringen. Seit Februar ruhen die Vorbereitungen, das Bezirksamt verweist auf Verfahren vor dem Oberverwaltungsgericht. Zwischen Bergedorf und Harvestehude liegen 6.654 Euro je Quadratmeter beurkundeter Preis. Darum wirkt der Stillstand nicht im Preis, sondern in den Regeln.

Matthias Schwier, KI-generiertes PorträtMatthias Schwier20. Oktober 20268 Min. Lesezeit

7.000

Wohnungen, die in Oberbillwerder nach Projektangaben der IBA Hamburg höchstens entstehen sollen

5.976

in Hamburg 2025 fertiggestellte Wohnungen, minus 28,2 Prozent gegenüber 2024 (Statistikamt Nord)

2.571

genehmigte Wohnungen Januar bis Juni 2026, minus 2,0 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum

3.996 €/m²

beurkundeter Mittelwert für Eigentumswohnungen in Bergedorf 2025, gegenüber 10.650 Euro in Harvestehude

Worum es geht

Matthias Schwier, selbstständiger Immobilienberater der Deutsche Bank Immobilien GmbH und DEKRA zertifizierter Sachverständiger für Immobilienbewertung.

Hamburgs größtes Wohnungsbauprojekt liegt in Billwerder, und dort ist es ruhig. Das Hamburger Abendblatt berichtete am 18. September 2026 von einer Klagewelle und einem Bau, der auf unbestimmte Zeit verschoben ist; seit den Fällarbeiten im Februar stehen die Vorbereitungen. Für Eigentümer in Harvestehude, Winterhude oder Eppendorf ist das zunächst eine Nachricht über die Stadt und nicht über ihren Quadratmeterpreis. Ihre eigentliche Wirkung liegt an einer anderen Stelle.

Was in Billwerder geplant ist

Auf rund 118 Hektar sollen nach den Projektangaben der IBA Hamburg bis zu 7.000 Wohnungen und bis zu 5.000 Arbeitsplätze entstehen, im Drittelmix mit bis zu 35 Prozent gefördertem Wohnungsbau. Das Baurecht dafür steht: Der Senat hat den Bebauungsplan Billwerder 30 / Bergedorf 120 / Neuallermöhe 2 / Lohbrügge 95 im März 2025 beschlossen. Als frühesten Einzug nennt die Projektseite das Jahr 2031.

Gebaut wird trotzdem nicht. Das Fachmedium Entwicklungsstadt berichtete im September 2026 von mehrfach korrigierten Planunterlagen und beruft sich auf den NDR, nach dessen Angaben seit März 2026 keine Arbeiter mehr auf dem Gelände gesehen wurden. Das Bezirksamt Bergedorf verweist auf laufende Verfahren vor dem Hamburgischen Oberverwaltungsgericht. Einen neuen belastbaren Termin nennt keiner der Beteiligten. Ein Urteil über den Bebauungsplan selbst ist bisher nicht veröffentlicht. Was vorliegt, sind Berichte über ein laufendes Verfahren.

Oberbillwerder und der Hamburger Wohnungsbau in Zahlen
KennzahlWertQuelle
Projektfläche Oberbillwerderrund 118 haIBA Hamburg
geplante Wohnungenbis zu 7.000IBA Hamburg
Bebauungsplan beschlossenMärz 2025Senat, hamburg.de
fertiggestellte Wohnungen Hamburg 20255.976 (minus 28,2 %)Statistikamt Nord
genehmigte Wohnungen Januar bis Juni 20262.571 (minus 2,0 %)Statistikamt Nord
Ziel Baugenehmigungen je Jahr10.000Bündnis für das Wohnen

Warum der Preis an der Alster das nicht spürt

Der Gutachterausschuss für Grundstückswerte in Hamburg weist für 2025 beurkundete Mittelwerte je Stadtteil aus, also real bezahlte Preise. Für Eigentumswohnungen ohne Neubau stehen dort Harvestehude mit 10.650 Euro je Quadratmeter, Rotherbaum mit 10.494, Winterhude mit 8.667 und Eppendorf mit 7.869. Bergedorf steht bei 3.996 Euro. Für Billwerder selbst weist der Bericht keinen Wert aus, weil im ganzen Jahr weniger als drei Kauffälle beurkundet wurden.

Das sind zwei Märkte mit verschiedenen Käufern. Wer eine Altbauwohnung im Hochparterre an der Alster sucht, weicht nicht auf einen Neubau am östlichen Stadtrand aus, und wer eine geförderte Wohnung in Billwerder bezieht, war nie Interessent für ein Objekt in Eppendorf. Neubau am Rand entlastet zuerst den Mietmarkt und das untere bis mittlere Kaufsegment. Beim Angebotspreis einer Wohnung in Rotherbaum kommt davon nichts an.

Wer die fehlenden Wohnungen bezahlt

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Bis zu 7.000 Wohnungen klingen nach viel und sind es im Vergleich zu jedem einzelnen Bauvorhaben auch. Gegen das Ziel der Stadt gerechnet sind sie etwa zwei Drittel eines Zieljahres, verteilt über rund ein Jahrzehnt. Hamburg will Baugenehmigungen für mindestens 10.000 Wohnungen je Jahr und kam im ersten Halbjahr 2026 auf 2.571. Fertig wurden 2025 genau 5.976 Wohnungen, fast ein Drittel weniger als im Jahr davor.

Einen Gewinner hat dieser Stillstand nicht. Die Rechnung zahlen zuerst Mieter und Suchende, die auf ein Angebot warten, das nicht kommt. Eigentümer zahlen später und auf einem anderen Weg. Wenn der Neubau das Ziel verfehlt, greift die Stadt dort zu, wo die Wohnungen schon stehen: soziale Erhaltungsverordnungen, das Umwandlungsverbot nach § 250 BauGB, Verschärfungen im Mietrecht. Ein Stadtteil braucht Jahre und Gerichte. Eine Verordnung über den Bestand braucht eine Senatssitzung.

Gegen unsere eigene These spricht die lange Linie. Hält die Knappheit über Jahre an, steigen die Mieten weiter, und mit ihnen die Nachfrage von Kapitalanlegern nach vermieteten Wohnungen und Zinshäusern in guten Lagen. Dieser Weg ist langsam und läuft über das Mietniveau. Eine Wohnung in Billwerder spielt darin keine Rolle. Für den Preis, den eine Immobilie heute trägt, erklärt Oberbillwerder in keiner Richtung etwas: Vor 2031 wäre dort ohnehin niemand eingezogen.

Woran Sie das Tempo erkennen

Unsere Einschätzung: Der Stadtteil kommt, aber später, und über das Tempo entscheiden Gerichte, nicht die Bauwirtschaft. Erkennbar wird es an drei Größen. Erstens an den Entscheidungen des Hamburgischen Oberverwaltungsgerichts in den laufenden Verfahren. Zweitens an den Bautätigkeitsberichten des Statistikamts Nord, die halbjährlich zeigen, ob die Genehmigungen wieder in Richtung der 10.000 laufen. Drittens am Wohnungsbauprogramm der Bezirke, das die Vorhaben benennt, mit denen die Stadt die Lücke schließen will. Bleiben die Genehmigungszahlen 2027 deutlich unter dem Ziel, rechnen wir mit weiteren Eingriffen in den Bestand. Das ist eine Erwartung, keine Zusage.

Papier ist geduldig.

Sprichwort

Welche Regel würde Ihr Haus treffen, wenn Hamburg sein Neubauziel auch 2027 verfehlt?

Der Stillstand in Billwerder ist eine Nachricht über die Stadt und ihre Planung. Wer ein Objekt in den Alster- oder Elblagen besitzt, liest sie am besten als Hinweis auf die Regelseite: Was an Ihrer Adresse gilt, hängt an Erhaltungsverordnung, Bebauungsplan und Genehmigungsvorbehalt, und diese Lage ändert sich schneller als ein Marktpreis. Wer wissen will, welche Vorschriften für sein Grundstück greifen und welche Bandbreite die Immobilie heute trägt, bekommt von uns beides mit Quelle und Stichtag.

Fragen und Antworten

Häufige Fragen

**Messbar nicht.** Die beurkundeten Preise liegen 2025 in Bergedorf bei 3.996 Euro je Quadratmeter und in Harvestehude bei 10.650 Euro (Gutachterausschuss Hamburg). Ein geförderter Neubau am östlichen Stadtrand konkurriert nicht um dieselben Käufer wie eine Altbauwohnung an der Alster. Der Einfluss läuft allenfalls langfristig über Mieten und über die Nachfrage von Kapitalanlegern.

Autor
Matthias Schwier, KI-generiertes Porträt

Matthias Schwier

Selbstständiger Immobilienberater · Deutsche Bank Immobilien GmbH

Matthias Schwier arbeitet seit 2006 im Hamburger Immobilienmarkt und bewertet Wohnimmobilien in den Lagen an Alster und Elbe. Als selbstständiger Immobilienberater für die Deutsche Bank Immobilien GmbH nennt er Eigentümern vor einem Verkauf oder einer Übertragung eine Wertspanne mit Quellen.

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Quellen
  1. 01
    IBA Hamburg, Projektunterlagen Oberbillwerder

    Broschüre Quartiersentwicklung Oberbillwerder 2025 und Pressetext November 2024: rund 118 Hektar, 6.000 bis 7.000 Wohnungen, bis zu 5.000 Arbeitsplätze, Drittelmix mit bis zu 35 Prozent gefördertem Wohnungsbau. Ältere Unterlagen von 2019 nennen 124 Hektar; hier ist der aktuelle Projektstand verwendet.

  2. 02
    Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen, Senat beschließt den Bebauungsplan für den neuen Stadtteil Oberbillwerder

    Senatsbeschluss März 2025 zum Bebauungsplan Billwerder 30 / Bergedorf 120 / Neuallermöhe 2 / Lohbrügge 95.

  3. 03
    Hamburger Abendblatt, Bericht vom 18. September 2026

    Klagewelle, Bau von Oberbillwerder auf unbestimmte Zeit verschoben, Stillstand der Vorbereitungen seit den Fällarbeiten im Februar 2026.

  4. 04
    Entwicklungsstadt, Oberbillwerder: Planungsfehler und Klagen bremsen Hamburgs neuen Stadtteil

    September 2026: mehrfach korrigierte Planunterlagen, nach NDR-Angaben seit März 2026 keine Arbeiter auf dem Gelände, Verweis des Bezirksamts Bergedorf auf laufende Verfahren vor dem Hamburgischen Oberverwaltungsgericht, kein neuer Termin.

  5. 05
    Gutachterausschuss für Grundstückswerte in Hamburg, Immobilienmarktbericht Hamburg 2026

    Berichtszeitraum 2025. Beurkundete Mittelwerte für Eigentumswohnungen ohne Neubau je Stadtteil: Harvestehude 10.650 €/m², Rotherbaum 10.494, Winterhude 8.667, Eppendorf 7.869, Bergedorf 3.996; für Billwerder kein Wert, weniger als drei Kauffälle. Über die Wissensdatenbank des Hauses abgeglichen.

  6. 06
    Statistikamt Nord, Bautätigkeit in Hamburg

    Fertigstellungen 2025: 5.976 Wohnungen, minus 28,2 Prozent. Baugenehmigungen Januar bis Juni 2026: 2.571 Wohnungen nach 2.624 im Vorjahreszeitraum, minus 2,0 Prozent (Bericht F II 1 m 6/26 HH, unterjährige Meldeverzögerungen möglich).