Börsensaal der Handelskammer Hamburg mit Oberlicht, leere Stuhlreihen, Nachmittagslicht durch die Glasdecke
Markt

89,6 Punkte und ein Rekord bei den Risiken. Wer in Hamburg 2026 noch kauft, und wer wartet

Das Konjunkturbarometer der Handelskammer misst die Stimmung der Unternehmer. In den Alsterlagen sind Unternehmer die Käufer. Deshalb verlängert ein schlechtes Barometer die Vermarktung, lange bevor es den Preis berührt.

Matthias SchwierMatthias Schwier16. September 20266 Min. Lesezeit

89,6

Geschäftsklima II/2026, nach 85,4 im Frühjahr und 94,9 vor einem Jahr

68,6 %

nennen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als Risiko, Rekord in 16 Jahren

11,8 %

erwarten eine Verbesserung, 31 Prozent eine Verschlechterung

Einordnung

Matthias Schwier, selbstständiger Immobilienberater der Deutsche Bank Immobilien GmbH und DEKRA zertifizierter Sachverständiger für Immobilienbewertung.

Am 14. Juli 2026 hat die Handelskammer Hamburg ihr Konjunkturbarometer für das zweite Quartal vorgelegt. Das Geschäftsklima steht bei 89,6 Punkten, nach 85,4 im Frühjahr, aber deutlich unter den 94,9 des Vorjahres. 68,6 Prozent der 650 befragten Unternehmen nennen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als eines ihrer größten Risiken, so viele wie nie in den 16 Jahren der Umfrage. Nur 11,8 Prozent erwarten eine Verbesserung, 31 Prozent eine Verschlechterung.

Das Barometer misst keine Immobilien. Es misst, wie Hamburger Unternehmer ihre Lage sehen. Und in den Alster- und Elblagen ist das dieselbe Frage: Der Unternehmer, der Freiberufler mit eigener Praxis, die Geschäftsführerin sind die Käufer, deren Entscheidung eine Villa in Othmarschen oder ein Haus in Harvestehude vom Markt nimmt. Wenn sie ihre Lage so einschätzen wie im Juli, kaufen sie nicht weniger. Sie kaufen später.

Was das Barometer zeigt

Die leichte Aufhellung gegenüber dem Frühjahr ist nach den Worten des Hauptgeschäftsführers der Kammer kein Signal für eine nachhaltige Erholung. Personal- und Investitionspläne bleiben zurückhaltend, mehr Betriebe planen Abbau als Aufbau. Die Exporterwartungen haben sich nach dem Einbruch im Frühjahr stabilisiert; positive und negative Einschätzungen halten sich die Waage. Was das Bild trägt, ist der Rekordwert bei den Risiken: Zwei von drei Unternehmen sehen ihr größtes Problem in Berlin und Brüssel, nicht im Markt.

Hamburger Konjunkturbarometer, Zeitreihe Geschäftsklima
QuartalGeschäftsklimaEinordnung
II/202494,5Vergleichswert
II/202594,9Vorjahr
I/202685,4Tiefpunkt der Reihe
II/202689,6leichte Aufhellung, unter Vorjahr

Warum die Stimmung vor dem Preis kommt

Ein Kauf in den Wohnlagen ist eine Entscheidung mit siebenstelliger Summe, und solche Entscheidungen werden vertagt, nicht abgesagt. Das ist in den Zahlen sichtbar, noch bevor es in den Preisen sichtbar wird. Beurkundet wurden 2025 in Hamburg 10.120 Kaufverträge, der höchste Stand seit 2021; die Menge ist zurück. Der Preisindex für Eigentumswohnungen steht bei 265 nach 300 im Höchstjahr, also stabil unter dem Gipfel. Beides zusammen beschreibt einen Markt, in dem gekauft wird, aber langsam.

Wo sich die Stimmung zuerst niederschlägt, ist die Standzeit. Im Kerngebiet der Alsterlagen standen am 9. August 2026 353 Angebote seit mindestens 200 Tagen im Markt, die Hälfte davon unverändert zum Startpreis; wer nachließ, ließ im Schnitt um 11,2 Prozent nach. Das ist die Übersetzung von 89,6 Punkten in den Immobilienmarkt: nicht fallende Preise, sondern Käufer, die sich Zeit lassen, und Verkäufer, die das nicht eingeplant haben.

Der Aktienmarkt hat neun der letzten fünf Rezessionen vorhergesagt.

Paul A. Samuelson, Kolumne in Newsweek, 19. September 1966
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Was das Barometer nicht sagt

Samuelsons Satz gilt auch für Stimmungsindizes. Ein Geschäftsklima von 89,6 hat 2012 und 2019 nicht zu fallenden Wohnungspreisen in Hamburg geführt, und die Reihe kennt Tiefpunkte, auf die kein Einbruch folgte. Die Kammer selbst nennt den Anstieg gegenüber dem Frühjahr eine Aufhellung. Wer aus einem Quartalswert eine Marktprognose macht, liest mehr heraus, als 650 Fragebögen hergeben.

Auch die Käuferschicht ist breiter als die Kammer. Erben, Übertragende und langjährige Eigentümer, die innerhalb der Lagen tauschen, füllen kein Konjunkturbarometer aus; ihre Anlässe sind Nachlass, Verkleinerung, Familie. Diese Nachfrage ist konjunkturunabhängig, und sie trägt in den Alsterlagen einen erheblichen Teil der Kauffälle.

Was Eigentümer daraus lesen können

Wer im Herbst verkaufen will, plant die Vermarktung mit dem Barometer im Kopf: sechs bis zwölf Wochen sind der Regelfall, und ein Angebotspreis an der beurkundeten Spanne verkürzt sie. Wer erst 2027 verkaufen muss, kann abwarten, ob das Barometer im Oktober die Aufhellung bestätigt. Und wer kauft, kauft in einem Markt, in dem die Konkurrenz zögert; das ist für Suchende der beste Zeitpunkt seit 2022, sofern die Finanzierung steht.

Die Kammer veröffentlicht das Barometer für das dritte Quartal nach Quartalsende im Oktober. Wir tragen die Zahl hier nach und ordnen ein, was sich in der Standzeit seit August verändert hat.

Wenn zwei von drei Hamburger Unternehmern ihr größtes Risiko in der Politik sehen: Wie lange wartet der eine, der Ihr Haus kaufen würde?

Die Antwort ist eine Zahl in Wochen, und sie steht in den Standzeiten des Kerngebiets. Wir kennen sie für jede Lage und legen sie neben Ihren Zeitplan.

FAQ

Häufige Fragen

Die Reihe zeigt das nicht. Tiefpunkte des Barometers haben in Hamburg bisher nicht zu fallenden Wohnungspreisen geführt; der Preisindex für Eigentumswohnungen steht 2025 bei 265, stabil unter dem Höchststand von 300. Was sich verändert, ist die Vermarktungsdauer, weil Käufer mit Unternehmerhintergrund Entscheidungen vertagen.

Autor
Matthias Schwier

Matthias Schwier

Selbstständiger Immobilienberater · Deutsche Bank Immobilien GmbH

Matthias Schwier verbindet Immobilienbewertung mit genauer Kenntnis der Hamburger Mikrolagen. Als selbstständiger Immobilienberater für die Deutsche Bank Immobilien GmbH macht er aus Marktgeräuschen eine belastbare Zahl, bevor Eigentümer über Verkauf, Übertragung oder Finanzierung entscheiden.

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Quellen
  1. 01
    Handelskammer Hamburg, Pressemeldung vom 14. Juli 2026: Rekordwert bei Geschäftsrisiken

    Geschäftsklima 89,6 (I/2026: 85,4; II/2025: 94,9), 68,6 Prozent Risikonennung, 11,8 Prozent Verbesserung, 31 Prozent Verschlechterung, 650 Unternehmen, 18. Juni bis 6. Juli 2026.

  2. 02
  3. 03
    Gutachterausschuss für Grundstückswerte in Hamburg, Immobilienmarktbericht 2026

    10.120 Kaufverträge 2025, Preisindex Eigentumswohnungen 265 (2022: 300).

  4. 04
    Eigene Standzeit-Auswertung Tier-1-Kerngebiet, Stichtag 9. August 2026

    353 Angebote ab 200 Tagen Standzeit, Hälfte unverändert, Nachlass im Schnitt 11,2 Prozent.