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Markt

600 Millionen im Jahr. Was der Doppelhaushalt 2027/28 für Hamburger Eigentümer bedeutet

Der Senat konsolidiert, die Bürgerschaft berät bis Dezember. Für Eigentümer zählen drei Zeilen des Entwurfs: die Zweitwohnungsteuer, die Investitionen in Verkehr und Schulen, und das, was nicht mehr finanziert wird.

Matthias SchwierMatthias Schwier17. September 20267 Min. Lesezeit

48,4 Mrd. €

Gesamtausgaben 2027 und 2028 zusammen

600 Mio. €

jährliche Entlastung des Ergebnisplans bis 2030

20 %

Zweitwohnungsteuer ab 1. Januar 2028, bisher 12 Prozent

Einordnung

Matthias Schwier, selbstständiger Immobilienberater der Deutsche Bank Immobilien GmbH und DEKRA zertifizierter Sachverständiger für Immobilienbewertung.

Am 24. Juni 2026 hat der Senat den Entwurf des Doppelhaushalts 2027/28 beschlossen, seit der ersten Septemberwoche liegt er in der Bürgerschaft. Für die meisten Eigentümer in den Hamburger Wohnlagen ist ein Landeshaushalt ein Dokument, das andere lesen. Das ist ein Fehler, und zwar ein teurer: In diesem Entwurf stehen drei Entscheidungen, die den Wert einer Wohnung in Harvestehude oder eines Hauses in Othmarschen berühren, ohne dass irgendwo das Wort Immobilie fällt.

Die erste ist eine Steuer, die zweite ein Investitionsprogramm, die dritte ein Verzicht. Wir gehen sie in dieser Reihenfolge durch, mit den Zahlen der Finanzbehörde und ohne die Deutung, die die Fraktionen ihnen seit September geben.

Was der Entwurf enthält

Die Gesamtausgaben steigen von 22,469 Milliarden Euro im laufenden Jahr auf 23,661 Milliarden 2027 und 24,716 Milliarden 2028. Zugleich muss der Ergebnisplan bis 2030 um 600 Millionen Euro jährlich entlastet werden, um die Schuldenbremse einzuhalten; die Lücke bis dahin schließt eine Entnahme von 1,65 Milliarden Euro aus der allgemeinen Rücklage. Der verfügbare Aufwuchs der Ausgaben liegt bei 1,9 Prozent im Jahr, nach real 4,61 Prozent im Schnitt der Jahre 2015 bis 2025.

Die Investitionen bleiben davon ausgenommen. Der Kernhaushalt investiert erstmals mehr als drei Milliarden Euro je Jahr, dazu kommen 2,66 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen des Bundes für Infrastruktur und Klimaneutralität. Verkehr und Mobilitätswende sind 2027 mit 1,042 Milliarden Euro dotiert, Schule und Familie mit 6,36 Milliarden.

Der Doppelhaushalt 2027/28 in Zahlen (Entwurf des Senats vom 24. Juni 2026)
PositionWertEinordnung
Gesamtausgaben 202723,661 Mrd. €plus 5,3 Prozent gegen 2026
Gesamtausgaben 202824,716 Mrd. €plus 4,5 Prozent gegen 2027
Konsolidierung600 Mio. € je JahrEntlastung des Ergebnisplans bis 2030
Rücklagenentnahme1,65 Mrd. €2027 bis 2029, Ausgleich der Fehlbeträge
Investitionen Kernhaushaltüber 3 Mrd. € je Jahrbis 2030, zuzüglich 2,66 Mrd. € Bundesmittel
Zweitwohnungsteuer12 auf 20 Prozentab 1. Januar 2028

Die Steuer: Zweitwohnungen werden teurer

Die für Eigentümer greifbarste Zeile steht bei den Konsolidierungsmaßnahmen. Die Hamburgische Zweitwohnungsteuer steigt zum 1. Januar 2028 von 12 auf 20 Prozent der jährlichen Nettokaltmiete. Wer eine Wohnung in Hamburg als Nebenwohnsitz hält, zahlt dann ein Fünftel der Miete an die Stadt; bei selbst genutztem Eigentum wird die Miete nach dem Mietenspiegel geschätzt.

Betroffen sind nicht wenige. Die Zweitwohnung in Pöseldorf für den Unternehmer aus dem Umland, die Stadtwohnung des Ehepaars mit Hauptwohnsitz in Blankenese, die Wohnung der Kinder in Eppendorf, die bei den Eltern gemeldet bleiben: All das sind Zweitwohnungen im Sinne des Gesetzes. Bei einer Vergleichsmiete von 2.000 Euro im Monat steigt die Steuer von 2.880 auf 4.800 Euro im Jahr. Das ist kein Grund, eine Wohnung zu verkaufen, aber ein Grund, die Meldeverhältnisse vor 2028 zu prüfen.

Das Programm: Wo die Stadt baut

Ein Haushalt verteilt nicht nur Geld, er verteilt Zukunft. Über drei Milliarden Euro Investitionen je Jahr fließen in Schulen, Wissenschaft, Verkehr, Klimaschutz und Sicherheit. Für Wohnlagen heißt das konkret: Die U5 wird weitergebaut, die Schulbauten in den wachsenden Stadtteilen kommen, das Wärmenetz wird verdichtet. Jede dieser Investitionen verändert die Adressen in ihrer Nähe, und zwar über Jahre, nicht über Wahlperioden.

Einordnung

Bandbreiten zeigen den Markt. Den Wert zeigt nur Ihr Objekt.

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Was der Entwurf nicht enthält, ist ebenso lesbar. Die Opposition vermisst zusätzliche Mittel für den sozialen Wohnungsbau; die Wohnraumförderung bleibt beim Volumen von rund 868 Millionen Euro des laufenden Jahres. Für den Markt der Eigentumswohnungen in den gefragten Lagen ist das eine Nachricht mit doppeltem Boden: weniger geförderter Neubau bedeutet weniger Konkurrenz im Bestand, aber auch eine Stadt, die enger wird.

Die Politik ist die Lehre vom Möglichen.

Otto von Bismarck, Gespräch mit Friedrich Meyer von Waldeck, 11. August 1867

Was der Haushalt nicht hergibt

Ein Landeshaushalt ist kein Preisindex. Weder die Steuer noch die Investitionen bewegen den Quadratmeterpreis in Harvestehude in einem messbaren Zeitraum. Beurkundet wurden 2025 in Hamburg 10.120 Kaufverträge, der Preisindex für Eigentumswohnungen steht bei 265 nach 300 im Höchstjahr 2022; beides hängt an Zins und Einkommen, nicht am Ergebnisplan der Stadt.

Auch das Konsolidierungsziel ist ein Plan, kein Beschluss. Die Bürgerschaft berät bis in den Dezember, und die Herbst-Steuerschätzung Ende Oktober kann die Annahmen verschieben; die Mai-Schätzung hatte für 2026 bereits 125 Millionen Euro weniger ausgewiesen als im Herbst zuvor erwartet. Wer den Haushalt liest, liest eine Absicht.

Was Eigentümer daraus lesen können

Drei Dinge. Erstens: Wer eine Zweitwohnung in Hamburg hält, sollte bis 2027 mit dem Steuerberater klären, ob die Meldeverhältnisse noch zur Nutzung passen; die Steuer verdoppelt sich fast. Zweitens: Wer in einem Stadtteil verkauft, in dem eine Schule, eine Haltestelle oder eine Wärmeleitung im Investitionsplan steht, sollte das Datum kennen; es gehört ins Exposé. Drittens: Wer ein Zinshaus mit gefördertem Bestand hält, sieht im Entwurf, dass die Förderlinie nicht wächst.

Die steuerliche Bewertung gehört zum Steuerberater, die Frage, was eine neue Haltestelle mit dem Preis einer Adresse macht, zu uns.

Wenn die Stadt bis 2030 jedes Jahr 600 Millionen Euro einsparen muss und dennoch mehr als drei Milliarden investiert: Auf welcher Seite dieser Rechnung liegt Ihre Adresse?

Die Antwort steht in den Plänen, die dem Haushalt beiliegen, nicht im Haushalt selbst. Sie zu lesen dauert einen Nachmittag. Wir haben ihn investiert und ordnen gern ein, was davon Ihre Straße betrifft.

FAQ

Häufige Fragen

Ja. Die Hamburgische Zweitwohnungsteuer knüpft an die Nebenwohnung an, nicht an das Mietverhältnis. Bei selbst genutztem Eigentum wird die Nettokaltmiete nach dem Hamburger Mietenspiegel geschätzt und mit dem Steuersatz belegt, ab 1. Januar 2028 mit 20 Prozent. Ob eine Wohnung Haupt- oder Nebenwohnung ist, entscheidet das Melderecht, und das lässt sich vor 2028 mit dem Steuerberater ordnen.

Autor
Matthias Schwier

Matthias Schwier

Selbstständiger Immobilienberater · Deutsche Bank Immobilien GmbH

Matthias Schwier verbindet Immobilienbewertung mit genauer Kenntnis der Hamburger Mikrolagen. Als selbstständiger Immobilienberater für die Deutsche Bank Immobilien GmbH macht er aus Marktgeräuschen eine belastbare Zahl, bevor Eigentümer über Verkauf, Übertragung oder Finanzierung entscheiden.

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Quellen
  1. 01
    Finanzbehörde Hamburg, Senat beschließt Haushaltsentwurf 2027/2028, 24. Juni 2026

    Ausgaben je Jahr, Konsolidierung 600 Mio. €, Rücklagenentnahme 1,65 Mrd. €, Investitionen über 3 Mrd. € je Jahr.

  2. 02
    Finanzbehörde Hamburg, Konsolidieren, modernisieren, investieren: Maßnahmen zum Doppelhaushalt 2027/2028

    Zweitwohnungsteuer von 12 auf 20 Prozent ab 1. Januar 2028, Gebühren, Personalmaßnahmen, Bundesmittel 2,66 Mrd. €.

  3. 03
    Hamburgische Bürgerschaft, Diese Woche in der Bürgerschaft, KW 36 2026

    Beginn der Haushaltsberatung, Debatte zu Mieten.

  4. 04
    Finanzbehörde Hamburg, Hamburger Mai-Steuerschätzung 2026, 26. Mai 2026

    Mindereinnahmen 125 Mio. € für 2026 gegenüber der Herbstschätzung 2025.

  5. 05
    Gutachterausschuss für Grundstückswerte in Hamburg, Immobilienmarktbericht 2026

    10.120 Kaufverträge 2025, Preisindex Eigentumswohnungen 265.